Erste Hilfe

1. Trotz Schock und Orientierungslosigkeit: versuche überlegt zu handeln

  • Du bist nicht die Einzige und du bist nicht allein.
  • Du hast keine Schuld.
  • Zieh dich nicht zurück und isoliere dich nicht.
  • Lerne warten und bleib ruhig.

2. Sprich mit jemandem, aber nicht mit allen

  • Suche Informationen in den entsprechenden Beratungsstellen und bei hetera.
  • Schreibe über deine Gefühle, vielleicht in einem Tagebuch, in Briefen etc.
  • Hole dir Hilfe, Mitgefühl und Beratung bei anderen betroffenen Frauen.
  • Telefoniere auch nachts mit den anderen Frauen oder mit der Dargebotenen Hand: Tel 143
  • Suche professionelle psychologische und praktische Unterstützung in der Krise, aber warte mit einer Therapie.
  • Vertraue dich Familienmitgliedern und Freundinnen an, die dir zuhören.
  • Verteile keine Informationen und Geständnisse in der Grossfamilie, Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz.
  • Gib sorgsam überlegte Antworten, aber baue keine Lebenslüge auf.

3. Geh liebevoll und umsichtig mit dir selber um

  • Nimm dir täglich Zeit für dich selbst (Ausruhen, Lieblingsbeschäftigungen etc.).
  • Verwöhne deinen Körper (Baden, Joggen, Tanzen, Sauna, Bewegungstherapien etc.)
  • Sei vorsichtig und klar, was deine Gesundheit betrifft.
  • Schone deine Kräfte und sammle Energie (Schlafen, Essen, Reisen und was Spass macht).

4. Erkenne deine Gefühle und Wünsche

  • Halte inne, akzeptiere alle Gefühle und lebe sie auch (unter anderem Weinen, Klagen, Wüten, Leere, Zweifel, Verlustängste, Ratlosigkeit, Hoffen und Lachen).
  • Es gibt keinen "richtigen" Weg, sondern nur deinen eigenen.
  • Formuliere deine eigenen Wünsche ehrlich und unkonventionell.
  • Suche deinen Standpunkt, nehme ihn ein und vertrete ihn.
  • Erlaube dir von nahen und fernen Zielen zu träumen.
  • Denke an die vielen unterschiedlichen Lebensformen, die Frauen für sich gefunden haben.
  • Informiere dich möglichst breit darüber im Internet, in Büchern, in Gesprächen.
  • Definiere kleine Schritte für dein Lösungsmodell und entwickle einen Stufenplan.
  • Lass dir dabei eventuell durch eine Beraterin oder eine besonnene Freundin helfen.

5. Sprich mit deinem Mann

  • Eure Partnerschaft braucht das Gespräch jetzt dringender als je.
  • Dein Mann muss seinen eigenen Weg selbst finden und seine Probleme selbst lösen.
  • Erfrage seine Vorstellungen für sein eigenes Leben.
  • Kläre, welche Gefühle er für dich als Partnerin und für die Kinder hat.
  • Frage, ob er dich noch liebt und was er unter Liebe und Erotik versteht.
  • Sprich deine eigenen Gefühle klar aus.
  • Diskutiere mit ihm in Ruhe alternative Beziehungs- und Lebensformen.
  • Treffe mit deinem Mann klare Vereinbarungen zur gemeinsamen Verantwortung und geteilten, regelmässigen Betreuung der Kinder (auch Planung von Wochenenden und Urlaub). Denkt auch an vergnügliche Veranstaltungen (Ausflüge, Besuche, Essen.)
  • Vereinbare klare Lösungen für die finanzielle Situation.
  • Bestehe auf gesundheitlichem Schutz und safer Sex.

6. Sei offen und rücksichtsvoll zu den Kindern

  • Dein Mann bleibt immer der Vater.
  • Beantwortet Fragen der Kinder, gebt zusammen altersgemässe Erklärungen, aber überfordert sie nicht durch Beichten, Wut, unrealistische Pläne.
  • Höre deinen Kindern gut zu: sie erleben es auf ihre eigene Weise.
  • Tröstet und stabilisiert die Kinder, besonders wenn eine/r mit ihnen alleine lebt.
  • Versuche den Kindern Sicherheit zu geben und erbitte Rücksicht von ihnen für deine Gefühle.

7. Erwirb Kenntnisse über die homosexuelle "Welt"

  • Habe den Mut zu fragen, wie er in dieser Welt lebt.
  • Lies Literatur zum Thema Homo- und Bisexualität.
  • Besuche die Seiten der homosexuellen Organisationen im Internet.
  • Kläre, welche Lebensbereiche gemeinsam mit dir und welche getrennt existieren.

8. Gönne dir Zeit und lass auch deiner Familie Zeit

  • Gute Lösungen wachsen langsam und schrittweise.
  • Nähe und Distanz müssen sich immer wieder neu einpendeln.
  • Verschiedene unterschiedliche Lebensformen können problemlos ausprobiert werden.
  • Die Mitglieder der erweiterten Familie (Eltern, Geschwister etc.) brauchen noch mehr Zeit als du, bis sie sich neue Lebens- und Denkformen vorstellen können.
  • Veränderungen im emotionalen Bereich dauern lange. Persönliche Unabhängigkeit musst du intensiv und geduldig erlernen.
  • Fang etwas Neues an, was du dir schon lange zu tun gewünscht hast.